Prototyp
Jedes Reetdach bekommt eine Akte, die weiterlebt — auch wenn jahrelang niemand hinsieht.
Drei Sätze, die bisher niemand ausspricht
Die Südseite steht 35 bis 40 Jahre, die Nordseite über 60. Der First will nach 10 bis 15 Jahren neu, die Kehlen genauso. Trotzdem wird jedes Dach mit einem einzigen Alter geführt — und ist damit entweder zu früh oder zu spät dran.
Der Dachpass führt jede Fläche getrennt.
Nicht der Dachdecker beobachtet das Dach — das Wetter tut es, jeden Tag. Jede Sturmböe seit der Deckung steht im Stationsarchiv der Küste. Aus Erinnerung wird damit Beweis: für den Eigentümer, für die Versicherung, für den Schadenfall.
Elf schwere Stürme seit 2019 am Beispielobjekt.
Herkunftsland und Erntejahr müssen für jede Charge ohnehin belegt werden — sonst greift die Materialgarantie nicht. Dieselbe Angabe, anders erzählt, ist ein Herkunftsschein. Lage, Jahrgang, Handschrift: die Struktur eines Weinetiketts.
Aus einer Pflicht wird ein Grund, stolz zu sein.
Was der Eigentümer sieht
Eine Seite pro Dach. Sie gehört dem Haus, nicht dem Besitzer — und wird beim Verkauf mit übergeben. Klicken Sie eine Fläche an.
1 First · 2 Südseite · 3 Nordseite · 4 Gaube & Kehlen · 5 Traufe
Herkunft und Erntejahr sind für jede Charge ohnehin nachzuweisen. Hier stehen sie da, wo der Eigentümer sie sieht.
Der Versicherer verlangt den Wartungsnachweis ohnehin. Hier fällt er nebenbei ab.
Einmal im Jahr, ohne Anlass
Im November bekommt jeder Eigentümer einen Brief. Kein Angebot, keine Rechnung — zwei Aufnahmen von der Sichtprüfung, der Vergleich zum Vorjahr, zwei Sätze vom Meister. Der Auftrag entsteht daraus von selbst, weil er nicht verlangt wird.
Wer ein Haus an der Küste besitzt und dreihundert Kilometer entfernt wohnt, sieht sein Dach vielleicht viermal im Jahr. Dieser Brief ist das einzige Mal, dass jemand es für ihn ansieht.
Wir waren im Oktober oben. Die Fläche steht sauber, der Bewuchs auf der Nordseite ist unauffällig für das Alter. Was uns aufgefallen ist: der First setzt sich langsam, das ist nach zwölf Jahren normal und kein Grund zur Eile.


Wir schlagen vor, den First im Winter 2027 zu erneuern — dann in Ruhe und zu einem Zeitpunkt, den Sie bestimmen. Melden dürfen Sie sich jederzeit; nötig ist es dieses Jahr nicht.
Was der Betrieb sieht
Dieselben Daten, andere Richtung gelesen. Aus lauter einzelnen Dachpässen wird ein Kalender, der sagt, was im nächsten Winter ansteht — bevor jemand anruft.
Drei, die denselben Pass lesen
Ihm gehört das teuerste Dach der Region und er steht nie davor. Er bekommt einen Zugang, keine App: Zustand, Bilder nach jedem Besuch, Fälligkeiten, Herkunft seines Reets. Kein Wettbewerber zwischen Brunsbüttel und List spricht ihn heute an.
Reetdachhäuser zahlen ein Vielfaches der üblichen Prämie, und ohne dokumentierte Wartung wird im Schadenfall gekürzt. Der Dachpass gibt den Nachweis als fertiges Dokument aus — mit Prüfdaten, Bildern und der lückenlosen Wetterlage zum Schadenzeitpunkt.
Reetdachhäuser wechseln den Besitzer, und beim Verkauf ist eine lückenlose Dachhistorie bares Geld wert. Der Pass gehört dem Haus und geht mit über — samt dem Betrieb, der ihn führt. Kundschaft, die sich vererbt statt gekauft zu werden.
Was hier neu ist
Handwerkersoftware hilft beim Eintippen. Keine wertet aus, was seit Jahren in der Akte liegt. Der Dachpass ersetzt nichts von dem, was heute läuft — er setzt sich daneben und liest den Bestand, den nur ein Betrieb hat, der seit 1951 im selben Umkreis deckt.